Zur Nachahmung empfohlen (Artikel im Pfaffenhofener Kurier v. 30.12.2014)

Veröffentlicht am 31.12.2014 in Soziales & Familie

Fünf Fahrgäste und vier Fahrer.

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Wolnzach (WZ) 55 Fahrgäste in sechs Tagen. Der Probebetrieb des von der SPD initiierten Bürgerbusses ist zu Ende. Organisatoren, Fahrer und Passagiere ziehen eine positive Bilanz. „Jetzt wäre es gerade am Laufen“, sagt Fahrer Ludwig Schechinger. „Aber alleine können wir das nicht stemmen.“
 

„Man muss einfach irgendwie einmal anfangen.“ Das ist die Überzeugung von Daniel Jäger, der zusammen mit Ludwig Federhofer dafür gesorgt hat, dass es diesen Anfang in Form eines dreiwöchigen Bürgerbus-Probebetriebes überhaupt gegeben hat. Angelehnt hatten sie sich dabei an die Erfahrungen, die Federhofer seit ein paar Jahren bereits macht: Regelmäßig sitzt er am Steuer eines der Seniorenbusse, mit denen ältere Bürger kostenlos zu den von Frauenbund und Arbeiterwohlfahrt angebotenen Seniorennachmittagen chauffiert werden. Und daher weiß er: „Die Leute nehmen das an.“

Selbstverständlich war es daher für ihn, dass er sich als Fahrer angeboten hat, als die Bürgerbusidee aufkam. Mit im Boot waren auch sofort seine Fahrerkollegen Ludwig Schechinger, Sebastian Schönauer und Michael Lichtl, zusammen mit ihnen hat er jetzt drei Wochen lang einen Probebürgerbus auf drei Routen gesteuert. Und ihre Erfahrungen dabei beschreiben alle gleich: „Man hat deutlich gemerkt, dass es jetzt erst richtig losgeht“, sagt Ludwig Schechinger. So ein Busbetrieb, das ginge nicht von heute auf morgen, meint er. „Die Leute müssen sich erst daran gewöhnen.“ Auch Mundpropaganda spiele eine große Rolle – und dafür haben auch zwei Frauen aus Eschelbach gesorgt. „Wir sind gerne mitgefahren“, sagt eine von ihnen. „Das darf jetzt nicht aufhören“, würde sie sich wünschen, dass die Idee zur Probe in irgendeiner Form weiter aufgegriffen wird. Noch deutlicher wird Ludwig Schechinger, der lange Zeit selbst Gemeinderat und auch Dritter Bürgermeister im Markt Wolnzach war: „Jetzt wäre auf jeden Fall die Marktgemeinde gefordert“, sagt er. Der Probebetrieb sei zwar von SPD-Leuten initiiert worden, man habe damit aber lediglich – wie es SPD-Vorsitzender Werner Hammerschmid immer ausgedrückt hat – „eine Initialzündung“ geben wollen: „In der Hoffnung, dass es nicht verpufft.“ Drei Wochen Probebetrieb haben die Fahrer nun durchgezogen, sind ohne Entgelt gefahren, Busse und Benzin wurden von Sponsoren finanziert. Aber vorerst ist jetzt einmal Schluss. Das findet auch SPD-Rätin Marianne Strobl schade; sie war dabei, als sich die ganze Bürgerbus-Truppe mit Fahrgästen und Fahrern zu einem Erinnerungsfoto getroffen hat. „Es wäre schön, wenn es irgendwie weitergehen könnte“, meint sie. Denn dass Bedarf besteht, das habe der Probebetrieb deutlich gezeigt. Zwei Möglichkeiten gäbe es: entweder einen Bürgerbus, der über die Kommune organisiert wird, wie das in Geisenfeld praktiziert wird, oder die Gründung eines Vereins, wie das in Reichertshausen der Fall ist.

Das sieht auch Initiator Daniel Jäger so – und verweist auf den 15. Dezember, an dem zehn Fahrgäste am Vormittag und zehn am Nachmittag chauffiert wurden. Immer mit vollem Service: „Die Leute müssen wissen, dass wir auch ihre Rollatoren verstauen können“, sagt Ludwig Federhofer. „Viele haben gedacht, dass sie sonst nicht mitfahren können.“ Dieser Service, der hat auch Gisela Brandl-Giesel schwer beeindruckt. Als neue Wolnzacher Seniorenbeauftragte ist sie eine komplette Tour mitgefahren – und war begeistert: „Die Leute hatten sogar extra ein Trittbrett dabei und haben den Leuten beim Ein- und Aussteigen geholfen.“ Dass so wenige mitgefahren sind, das findet sie „sehr schade“. Allerdings denkt auch sie, dass so ein Projekt mehr Zeit braucht, um sich herumzusprechen. Deshalb will sie sich einsetzen, dass die Bürgerbusidee nicht im Sand verläuft. „In der laufenden Seniorenbefragung wollen wir ja auch herausfinden, wie der Bedarf der Leute ist.“ Noch bis zum 31. Januar können die verschickten Fragebögen zurückgesendet werden, erklärt sie. Ihre Erfahrungen mit dem Bürgerbus will sie dann bei der Umsetzung der Projekte auf jeden Fall einfließen lassen. Denn sie weiß: „So ein Bus, das hat auch etwas Geselliges. Die Leute kommen zusammen, unterhalten sich, das ist gerade für ältere Menschen doch ganz wichtig.“

Ein Manko ist ihr bei ihrer Busfahrt aber aufgefallen: „Es gibt bei uns zu wenig Toiletten“, sagt sie. Auch das ist etwas, wofür sie sich gerne einbringen möchte. Erste Erkundigungen hat die Seniorenbeauftragte dazu schon in den Supermärkten am Ort eingezogen und positive Rückmeldung bekommen. So sei ihr überall versichert worden, dass Kunden in dringenden Fällen die Toiletten benutzen können.


Von Karin Trouboukis